Mit dem Möglichkeitssinn Wirklichkeit schaffen. Juli Zehs Spieltrieb vor dem Hintergrund von Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften
摘要
Juli Zehs Spieltrieb nutzt die Spieltheorie, um eine Fiktionstheorie zu entwerfen. Die Fragen nach Recht und Moral, die den Roman durchziehen, werden vor dem Hintergrund von Norm und Normbruch fiktionstheoretisch gewendet. Die intertextuellen Referenzen auf Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften sind dafür entscheidend: Von Musil ‚übernehmen‘ Zehs Protagonisten Ada und Alev ein Gespür für den Möglichkeitssinn. Im Anerkennen der Kontingenz und im sich dadurch eröffnenden Möglichkeitsraum bietet sich ihnen die Option, neben der ‚Realität‘ auch diejenigen Möglichkeiten durchzuspielen, die real hätten eintreten können (oder immer noch eintreten könnten), aber (bislang) nicht eingetreten sind. Zuletzt lässt sich sogar von einer Restitution verlorener Ordnungen durch die Fiktion ausgehen: Was bleibt, ist die Erzählordnung – und damit erweist sich der Möglichkeitssinn dem Wirklichkeitssinn überlegen.