Kassandrarufe. Juli Zehs Werk als Indikator in der Krisen(früh)erkennung
摘要
2021 erschien Jürgen Wertheimers Sorry Cassandra! Warum wir unbelehrbar sind, worin er das ‚Cassandra-Syndrom‘ vorstellt: ein Spannungsverhältnis zwischen faktenbasierten Informationen über künftige Entwicklungen und der Weigerung der Mehrheitsgesellschaft, dieses wahrzunehmen. Der Literaturwissenschaftler weist empirisch nach, dass Literatur folgendes aufzuzeigen vermag: 1. Beweggründe für individuelles Handeln; 2. Modalitäten der Manipulation von Individuen; 3. die gesamtgesellschaftlichen, politischen Konsequenzen derartiger Manipulationen. Auf Wertheimers Thesen aufbauend fokussiert dieser Beitrag ausgewählte Werke Zehs hinsichtlich ihres Stellenwerts als ‚Frühwarnsystem‘ für gesellschaftliche (Fehl-)Entwicklungen, den Einsatz von „Kassandrafiguren“ sowie Zehs Selbststilisierung als warnende Kassandra. Deutlich wird, dass Zeh die Rezipient:innen ihrer im öffentlichen Diskurs verankerten Schriften anhält, sich mit rechtsstaatlichen Prozessen und Problemen auseinanderzusetzen.