Public intellectual mit gesundem Menschenverstand? Zu Juli Zehs demokratischen Interventionen und Debattenromanen, unter besonderer Berücksichtigung von Über Menschen
摘要
Als eine der medial präsentesten Autorinnen der Gegenwart bezieht Juli Zeh nicht nur in ihren öffentlichen Interventionen, sondern auch in ihren literarischen Texten zu gesellschaftlichen Fragen Position. In den Debattenromanen ihrer Brandenburg-Reihe (Unterleuten, Über Menschen, Zwischen Welten) behandelt sie zahlreiche gegenwärtige Diskursthemen, die normativ auf den Begriff der Demokratie bezogen sind. Im Zusammenhang von Zehs Auseinandersetzung mit der vieldiskutierten ‚Krise der Demokratie‘ wird deutlich, dass der Demokratiebegriff für ihr gesellschaftsbezogenes Denken zentral ist, worunter sie neben funktionierenden demokratischen Institutionen vor allem eine offene und integrative Gesprächskultur versteht. Dieser Demokratiebegriff wie auch die literarische Entfaltung demokratiebezogener Themen und Probleme in ihrem Roman Über Menschen reduziert die Komplexität der aktuellen Debatten in hohem Maße. Im Hintergrund steht dabei Juli Zehs Verständnis der/des public intellectual, die/der die Allgemeinheit aus einer souveränen Sprechposition im Zeichen von gesundem Menschenverstand aufzuklären beabsichtigt.