„Denken heißt …“. Demokratiereflexionen in Juli Zehs Romanen Spieltrieb und Unterleuten
摘要
Literatur vermag zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit der in ihr abgebildeten Welt anzuregen. In Juli Zehs Romanen Spieltrieb und Unterleuten werden die Demokratie sowie Werte und Normen, die gesellschaftliches Zusammenleben prägen und überhaupt erst möglich machen, auf die Probe gestellt. In Spieltrieb wird eine Welt inszeniert, in der gängige Werte und Normen, Bibel, Grundgesetz und Moral keine Gültigkeit mehr zu besitzen scheinen. Im Rahmen eines eigenen Gesellschaftsmodells versuchen die Protagonisten, Regeln zu setzen, die eher als Spielregeln denn als Rechtsnormen gelten und wirken. Dabei werden über die auktoriale Erzählperspektive noch Ordnung und Sinnhaftigkeit vorzutäuschen versucht. In Unterleuten tritt die Erzählinstanz dagegen in den Hintergrund, und die erzählte Welt entsteht in den vielfältigen Perspektiven der Figuren, wodurch die soziale und psychische Verfassung einer Gesellschaft thematisiert wird: Multiperspektivisches Erzählen wird so zu einer Metapher gesellschaftlichen Zusammenlebens.