Maigret: ein experimenteller Kriminalroman
摘要
Die wichtige Rolle Simenons für die Entwicklung des Kriminalromans im 20. Jahrhundert lässt sich an den Verzerrungen von Konventionen der Gattung erkennen, in deren Goldenes Zeitalter die ersten Abenteuer von Kommissar Maigret fallen. Dieser gegen den Strich von Dandys à la Sherlock Holmes gebürstete Ermittler ist zugleich ein einfacher Mann und ein erfolgreicher Polizist, der eher einem Oger als einem Wissenschaftler ähnelt und sich mehr durch Schwerfälligkeit und Bedächtigkeit als durch Scharfsinn und Geistesgegenwart auszeichnet. Die Romananfänge sind von Enttäuschung und Scheitern geprägt. Maigrets mitfühlende Methode, die Observation durch Absorption und logisches Schließen durch Umherschweifen ersetzt, macht aus der Ermittlung eine Begegnung und aus dem Ermittler einen Verbindungsknüpfer, der das Rätsel löst, ohne zu triumphieren. Die Ermittlungsweise des kauzigen Kommissars entspricht somit der Praxis des Romanciers. Indem er den Schwerpunkt der Untersuchung von der Handlung auf die Figur verlagert, verwandelt Simenon sie in eine Kunst des Porträts.