Simenon als Romancier des Realen
摘要
In verschiedener Hinsicht steht Simenons umfassendes Werk in der Tradition des von Balzac begründeten realistischen Romans, die er freilich auf seine Weise erneuert. Seine Protagonisten sind geprägt von ihrem sozialen Herkunftsmilieu, zumeist dem Kleinbürgertum, erschließen sich aber durch deviantes Verhalten einen darin nicht vorgesehenen Handlungsspielraum, der ihnen auch besondere Momente gleichschwebender Aufmerksamkeit für ihre Umwelt gewährt. Ebenso wie Balzac schildert Simenon eine Vielzahl verschiedener Milieus, zieht dabei jedoch einer ausladenden Beschreibung die knappe Notation bestimmter Objekte, Gesten und Atmosphären vor. Daraus ergeben sich Affinitäten zum existentialistischen und sogar zum nouveau roman, auch wenn seine Romane eine ‚mittlere Literatur‘ zwischen Kanon und Populärkultur repräsentieren. Allerdings geben sie sich durch den Rückgriff auf Konventionen des Kriminalromans stets als Fiktionen zu erkennen.