Maigret und die Grenzen der Aufklärung. Elemente des Antisemitismus in ausgewählten Romanen Simenons
摘要
Der Beitrag untersucht antisemitische Elemente in ausgewählten Kriminalromanen Georges Simenons, in denen Kommissar Maigret ermittelt. Über die bekannten antisemitischen Äußerungen Simenons in den frühen 1930er Jahren hinaus werden Kontinuitätslinien nachgezeichnet, die den Romanen noch während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit eine antisemitische Ausrichtung nachweisen. Dabei geht es nicht nur um die klischeehafte Darstellung jüdischer Figuren durch Simenon, sondern auch um den antisemitisch aufgeladenen Komplott-Gedanken, der diesen Romanen strukturell eingeschrieben ist. Auf der Grundlage von Luc Boltanskis Studie zu Kriminalliteratur, Komplott und Paranoia sowie Jean-Paul Sartres Betrachtungen zur Judenfrage analysiert der Beitrag Elemente der antisemitischen Verschwörungsillusion zusammen mit verschränkt auftretenden Phänomenen wie Rassismus und Sexismus. Von Interesse ist dabei auch die Verbindung zwischen Antisemitismus und Kriminalliteratur als zwei Formen der ‚Auseinandersetzung‘ mit den Ambivalenzen der Moderne.