Lebenslinien. Infrastrukturen und Institutionen von Normalität in Simenons Romanen
摘要
Kriminalromane stellen die zentrale Gattung der Moderne dar, da sie wie keine andere die Breite und Effekte biopolitischer Regierungstechniken kritisch reflektieren, vor allem indem sie die moderne Sozialität begründende Differenz zwischen Normalem und Pathologischem verhandeln. In diesem Sinne können Georges Simenons Romane, insbesondere L’homme de Londres (1933) und L’homme qui regardait passer les trains (1938), sowohl hinsichtlich ihrer Gegenstände und ihrer narrativen Schemata als auch ihrer Schreibweise als Versuchsanordnungen betrachtet werden, die in produktiver Auseinandersetzung mit einem Gefüge an Diskursen und Praktiken der Soziologie (Park, Lazarsfeld), der Psychologie (Jaspers, Lacan) und der Kriminologie (de Greeff), die im phänomenologischen Modus zu ergründen versuchen, welche Faktoren und Konstituenten pathologische Verhaltensdispositionen begründen, die prekären Grenzen zwischen Normalität und Kriminalität in immer neuen Varianten ausloten.