Figuren der Isolation in Romanen Simenons
摘要
Der verbreiteten Lesart Simenons als Autor existenzieller Einsamkeit im Sinne einer generellen condition humaine wird eine Konkretisierung und Differenzierung in der Analyse von Figuren der Isolation entgegengestellt. Simenon stellt Menschen nicht als geschlossene, sondern in Einklang mit Diskursen der Beeinflussung und der Masse (Tarde) als offene Monaden dar. Isolation ist folglich ein Phänomen, das nur bestimmte Figuren Simenons betrifft und sie somit von ihren Mitmenschen unterscheidet. Zudem erweist sich Isolation als Produkt historisch konkreter sozialer Praktiken und Dispositive: Sie steht in Verbindung mit disziplinargesellschaftlichen Einsperrungsmilieus und betrifft zum einen Personen, die an der spezifischen modernen Konstruktion einer doppelten Realität (Boltanski) scheitern, zum anderen transclasses (Bourdieu/Jacquet), die Fremdkörper in den Milieus bleiben, in denen sie sich bewegen.