Uniformität, Mitte, Mittelmaß
摘要
Im 19. Jahrhundert gehen die Einschätzungen zum Populären besonders stark auseinander. Auf der einen Seite präsentiert man das Populäre als eminent wichtigen Stoff, der die eigene Nation ausmache und zusammenhalte: kulturelle, ‚ursprüngliche‘ Traditionen, Mythen, Hymnen, Epen, Dramen. Auf der anderen Seite sieht man mit der Industrialisierung, neuen Druck- und Medientechniken, der Ausbreitung eines kapitalistischen Kunstmarkts, Demokratie und Alphabetisierung ein Populäres entstehen, das die Kunst und teilweise auch die Nation bedrohe. Diese zwei Prägungen des Populären hält man fast immer strikt auseinander; die neuere negative Bedeutung des Populären als dem ‚Kommerziellen‘ lässt sich dabei überwiegend sehr gut mit der älteren des ‚niederen Volks‘ vereinen; in den Reden und Schriften über Kunst findet man darum z. B. nie ein Lob der Kolportageliteratur, der Groschenhefte, der ‚dime novels‘. Selbst von sozialistischer Seite gibt es wohl kaum Bemühungen, die in eine solche Richtung gingen. Es scheint aber einen Ausweg bzw. mittleren Weg zu geben, der sich zumindest in einigen Fällen abzeichnet. Er besteht in Bestrebungen, unterhalb der ‚hohen Kunst‘ und der im Bestfall von ihr geschaffenen, das ganze ‚Volk‘ einschließenden Nationaldichtung nicht bloß einen Abgrund klaffen zu lassen, sondern ein mittleres Niveau zu etablieren. In dieser Mitte befinden sich auch oder gerade populäre Werke.