Satirisches Erzählen
摘要
Satirische Schreibweisen entfalten sich in unterschiedlichen Epochen und unter ihren jeweiligen historisch-diskursiven Bedingungen variantenreich: zunächst unter der impliziten Voraussetzung einer vorgegebene Ordnung der Welt und der guten Sitten, an einen vorgegebene Differenz zwischen Wahrheit und Irrtum, angemessenem und nichtangemessenem Verhalten (wobei letzteres zu entlarven ist), seit der Aufklärung dann im Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der kulturellen Welt und der menschlichen Orientierungen, in der Moderne schließlich unter Akzentuierung der Geschichtsmacht des Menschen, verbunden mit der Notwendigkeit, Prinzipien des Handelns kritisch zu reflektieren (wobei sich vielfach die Unvernunft der Handelnden zeigt). In der Postmoderne erfolgt eine Relativierung aller Begriffe, Diskurse und Wertsysteme, bis hin zur Dekonstruktion des Subjekts, zur Erschütterung tradierter Orientierungsmuster und -begriffe – inbegriffen die Idee von der zentralen Rolle des Menschen und der Macht seiner Vernunft. Der Roman partizipiert seit der Neuzeit an diesen Entwicklungen, nimmt an Aushandlungen teil, verhält sich oft kritisch zu tradierten Überzeugungen und Orientierungsmustern. Satirische Romane vermitteln ihre kritischen Perspektiven auf menschliches Verhalten und Denken im Rekurs auf den neuen Verhandlungsbedürfnissen angepasste satirische Schreibweisen. Beispiele von der frühen Neuzeit bis zum 21. Jahrhundert – Werke von Rabelais, Grimmelshausen, Cervantes, Voltaire, Swift, Sterne, Jean Paul, Hoffmann, Carlyle, Flaubert, Vischer, Bulgakow, Dürrenmatt, Dath und anderen – belegen den Wandel des satirischen Romans, seiner diskursiven Voraussetzungen, seiner Themen, Formen und reflexiven Funktionen.