Die Menippeische Satire ist eine Gattung der Satire, die sich durch ihre Ästhetik der polyphonen Mischung (im Sinne Bachtins), ihre Dominanz der Parodie und ihre Formlosigkeit auszeichnet. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie sich bereits in der Antike mit dem Roman vermischte, insbesondere bei Petron. Ab der Renaissance waren es Romanautoren mit dem Profil humanistischer Intellektueller wie Rabelais, die sich von der Ästhetik der menippeischen Diskontinuität inspirieren ließen, um das zu verfassen, was hier als „Menippeischer Roman“ bezeichnet werden soll. Mehrere historische Entwicklungen werden dabei betrachtet: Die Autoren spanischer Pikaresken oder französischer Histoires comiques greifen zwar weiterhin auf Elemente der Menippeischen Satire zurück, lassen jedoch die irreale Fiktionalität der traditionellen Inszenierungen zugunsten eines zunehmend ausgeprägten Sozialrealismus hinter sich. Die Popularität imaginärer Reisen nach dem Vorbild Lukians erklärt zudem, warum die sogenannten ‚Utopien‘ dieser Epoche häufig nichts anderes als geographisch veränderte Menippeische Satiren sind; schließlich greift der Roman – von Cervantes bis Sterne – Verfahren und Themen auf, die charakteristisch für die Menippeische Satire sind, verzichtet dabei jedoch auf die humanistische Imitation zugunsten einer moderneren Form des parodistischen Romans, in dem das Lachen über die kritische Intention der Satire gestellt wird.

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‚Menippeischer Roman‘ in der Frühen Neuzeit

  • Nicolas Correard

摘要

Die Menippeische Satire ist eine Gattung der Satire, die sich durch ihre Ästhetik der polyphonen Mischung (im Sinne Bachtins), ihre Dominanz der Parodie und ihre Formlosigkeit auszeichnet. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie sich bereits in der Antike mit dem Roman vermischte, insbesondere bei Petron. Ab der Renaissance waren es Romanautoren mit dem Profil humanistischer Intellektueller wie Rabelais, die sich von der Ästhetik der menippeischen Diskontinuität inspirieren ließen, um das zu verfassen, was hier als „Menippeischer Roman“ bezeichnet werden soll. Mehrere historische Entwicklungen werden dabei betrachtet: Die Autoren spanischer Pikaresken oder französischer Histoires comiques greifen zwar weiterhin auf Elemente der Menippeischen Satire zurück, lassen jedoch die irreale Fiktionalität der traditionellen Inszenierungen zugunsten eines zunehmend ausgeprägten Sozialrealismus hinter sich. Die Popularität imaginärer Reisen nach dem Vorbild Lukians erklärt zudem, warum die sogenannten ‚Utopien‘ dieser Epoche häufig nichts anderes als geographisch veränderte Menippeische Satiren sind; schließlich greift der Roman – von Cervantes bis Sterne – Verfahren und Themen auf, die charakteristisch für die Menippeische Satire sind, verzichtet dabei jedoch auf die humanistische Imitation zugunsten einer moderneren Form des parodistischen Romans, in dem das Lachen über die kritische Intention der Satire gestellt wird.