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Ziel, Methoden und Anwendungsbereich der Leitlinie

  • Ulrich Voderholzer,
  • Antonie Rubart,
  • Norbert Kathmann,
  • Angelica Staniloiu,
  • Andreas Wahl-Kordon,
  • Bartosz Zurowski

摘要

Die Zwangsstörung ist eine häufige psychische Erkrankung, die in epidemiologischen Studien Lebenszeitprävalenzraten von 1–3 % zeigte. Oftmals beginnt die Erkrankung bereits in der Kindheit oder Adoleszenz (Stein et al., 2020). Das mittlere Ersterkrankungsalter liegt bei ca. 20 Jahren (Ruscio et al., 2010; Sharma et al., 2014). Die Erkrankung wird häufig sehr spät erkannt und diagnostiziert. Es dauert oft mehrere Jahre, bis Patienten nach dem Auftreten der ersten Symptome professionelle Hilfe aufsuchen, teilweise werden Zeitspannen von über 10 Jahren berichtet (García-Soriano et al., 2014). Eine langandauernde, unbehandelte Erkrankung kann zu weiteren psychischen und somatischen Folgeerkrankungen sowie zu erheblichen psychosozialen Beeinträchtigungen führen. Die verzögerte Diagnose und Behandlung der Zwangsstörung lassen die Belastung für die Betroffenen, die Angehörigen und die Gesellschaft ansteigen. Es ist gesichert, dass viele Individuen mit Zwangsstörung eine verminderte Lebensqualität haben, ebenso wie in hohem Maße soziale und berufsbezogene Beeinträchtigungen. Häufige Frühberentungen lassen zudem die Krankheits- und Folgekosten weit über das Maß der Behandlungskosten ansteigen. Vor diesem Hintergrund ist es dringend erforderlich, verbesserte Strategien für die akute Behandlung, wie auch für die Langzeitbehandlung und Rezidivprophylaxe zu entwickeln und zu implementieren. Diese Behandlungstrategien sollten frühzeitig eingesetzt werden, um so die Chance auf Remission zu maximieren (Mataix-Cols et al., 2016). Durch eine vollständige Symptomremission kann der langfristige Symptomverlauf dieser ansonsten meist chronischen Krankheit verbessert und damit eine günstigere langfristige Prognose erreicht werden (Pallanti et al., 2002a, b; Bech et al., 2010; Hollander et al., 2010).