Therapiekonzepte bei Erwachsenen mit generalisierten Epilepsien sind weniger komplex als bei Kindern und Jugendlichen, bei denen die Syndromspezifität eine größere Rolle spielt. Letzten Endes sind die Vorgehensweisen bei den klassischen genetischen (idiopathischen) generalisierten Epilepsien (kindliche Absenceepilepsie, juvenile Absenceepilepsie, juvenile myoklonische Epilepsie [JME], Epilepsie mit ausschließlich generalisierten tonisch-klonischen Anfällen) ähnlich. Eine große Rolle spielt die Frage der Teratogenität von Valproat und auch von Topiramat bei der Therapieplanung, wenn es um Patientinnen im gebärfähigen Alter mit Kinderwunsch geht. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Valproat nach wie vor das wirksamste Medikament ist. Die umfangreich publizierten und übereinstimmenden Daten erfordern aber zwingend, zunächst Medikamente mit statistisch geringerer Wirksamkeit zu erproben, die im Falle eines Schwangerschaftswunsches nach heutiger Datenlage unbedenklich erscheinen, nämlich Lamotrigin und Levetiracetam. Bei dann pharmakotherapieresistentem Verlauf ist es aber nicht gerechtfertigt, einen Valproatversuch von vornherein zu verwerfen, weil dann Patientinnen trotz erhöhtem Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko die wirksamste Therapie vorenthalten wird. Richtig ist vielmehr, aufklärend die Vor- und Nachteile sorgfältig mit den Betroffenen zu diskutieren, damit gemeinsame Entscheidungen über die weitere Vorgehensweise vereinbart werden können. Erschwerend kommt hinzu, dass für Ethosuximid, das nach wie vor ein hochwirksames Medikament bei Absenceepilepsien ist, trotz der Einführung in den 1950er-Jahren immer noch keine verlässlichen Daten zur Teratogenität vorliegen. Diese Umstände wurden in den Leitlinien entsprechend umgesetzt und führten zu komplizierten Empfehlungen (Holtkamp et al. 2023).

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Therapiekonzepte bei generalisierten Epilepsien

  • Günter Krämer,
  • Bernhard J. Steinhoff

摘要

Therapiekonzepte bei Erwachsenen mit generalisierten Epilepsien sind weniger komplex als bei Kindern und Jugendlichen, bei denen die Syndromspezifität eine größere Rolle spielt. Letzten Endes sind die Vorgehensweisen bei den klassischen genetischen (idiopathischen) generalisierten Epilepsien (kindliche Absenceepilepsie, juvenile Absenceepilepsie, juvenile myoklonische Epilepsie [JME], Epilepsie mit ausschließlich generalisierten tonisch-klonischen Anfällen) ähnlich. Eine große Rolle spielt die Frage der Teratogenität von Valproat und auch von Topiramat bei der Therapieplanung, wenn es um Patientinnen im gebärfähigen Alter mit Kinderwunsch geht. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Valproat nach wie vor das wirksamste Medikament ist. Die umfangreich publizierten und übereinstimmenden Daten erfordern aber zwingend, zunächst Medikamente mit statistisch geringerer Wirksamkeit zu erproben, die im Falle eines Schwangerschaftswunsches nach heutiger Datenlage unbedenklich erscheinen, nämlich Lamotrigin und Levetiracetam. Bei dann pharmakotherapieresistentem Verlauf ist es aber nicht gerechtfertigt, einen Valproatversuch von vornherein zu verwerfen, weil dann Patientinnen trotz erhöhtem Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko die wirksamste Therapie vorenthalten wird. Richtig ist vielmehr, aufklärend die Vor- und Nachteile sorgfältig mit den Betroffenen zu diskutieren, damit gemeinsame Entscheidungen über die weitere Vorgehensweise vereinbart werden können. Erschwerend kommt hinzu, dass für Ethosuximid, das nach wie vor ein hochwirksames Medikament bei Absenceepilepsien ist, trotz der Einführung in den 1950er-Jahren immer noch keine verlässlichen Daten zur Teratogenität vorliegen. Diese Umstände wurden in den Leitlinien entsprechend umgesetzt und führten zu komplizierten Empfehlungen (Holtkamp et al. 2023).