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Papier und Automatisierung in Speyer. Von der Tyrannei des Ortes und der Dauer der Akten

  • Christoph Engemann

摘要

Als in den sechziger Jahren die ersten Großrechner Einzug in die bürokratischen Abläufe hielten, entstanden in der BRD zwei wichtige Wissensgebiete: die Rechtsinformatik und die Verwaltungsinformatik – letztere wurde auch als Speyerer Schule (Heinrich Reinermann, Jörn von Lucke) bezeichnet. Die Systemplanung, die Rechtskybernetik und die Routine des öffentlichen Dienstes lebten bald von der Automatisierung, aber der Bürger musste immer noch persönlich beim Bürokraten erscheinen und erhielt Formulare und gestempeltes Papier. Die Liberalisierung und Vermarktlichung von immer mehr Elementen des öffentlichen Dienstes führten zur Erosion rechtlich gebundener Planungskulturen. Vorangetrieben wurden diese Prozesse auch durch die Software-Industrie, die aktiv Konzepte des New Public Management protegierte. Ein Prozess, der durch die sozialdemokratischen deutschen Regierungen der neunziger und nuller Jahre gefördert wurde. Vor diesem Hintergrund und in ambivalenter Auseinandersetzung mit Industrie und Politik identifizierte die Speyerer Schule um das Jahr 2000 das Papier als Hindernis für die Durchsetzung neuer Verwaltungsregime.