Thomasius’ Monatsgespräche, der Dialog in der frühen Neuzeit und die ‚kommunikative Vernunft‘
摘要
Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit den naturrechtlichen und dichtungstheoretischen Voraussetzungen des frühneuzeitlichen Dialogs anhand von Thomasiusʼ Monatsgesprächen. Gemäß Thomasiusʼ naturrechtlicher Konzeption erscheint diese Form nachgerade notwendig, da die Vernunft insgesamt als kommunikativ ausgewiesen wird. Im Gespräch kommt die Vernunft zu sich selbst. Thomasiusʼ poetologische Überlegungen entwerfen den Dialog insofern konsequent als privilegierten Ort der Vermittlung von Weisheit. Dieses Ziel plausibilisiert zugleich die idealistisch-konstruktive wie die kritisch-destruktive Doppelstrategie der Monatsgespräche. Gelungene Bilder der Geselligkeit stehen neben der Satire von Fehlverhalten. Dabei fußen die Gespräche, welche hier inszeniert werden, auf verschiedensten literarischen Vorbildern und Traditionen. Antike Autoren wie Cicero und Lukian, Humanisten wie Erasmus, Barockschriftsteller wie Rist und Francisci und Galante wie Madeleine de Scudéry bilden bedeutende Referenzpunkte. Thomasiusʼ Gespräche bleiben so tief in Traditionen der Schrift verwurzelt, die ihren Wert aus der Simulation von Mündlichkeit und Nähe beziehen.