Schweizerische Sprachpolitik als Leerstelle
摘要
Die in der Schweiz lebenden Jüdinnen und Juden waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit ähnlichen politischen, religiösen, kulturellen und moralischen Verbesserungsforderungen konfrontiert wie ihre Glaubensgenossen in den deutschen Staaten. Es herrschte das Konzept der ‚konditionalen Emanzipation‘ vor. Was für die Eidgenossenschaft fehlte, war eine explizite Sprachpolitik von Seiten der Behörden. Der Grund dafür liegt in der gesetzlich verankerten Mehrsprachigkeit des Staates und in der Nicht-Stigmatisierung des Dialektgebrauchs in der deutschsprachigen Schweiz. – In the first half of the 19th century, Jews living in Switzerland were confronted with similar demands for political, religious, cultural, and moral improvement as were their co-religionists in the German states. The concept of ‘conditional emancipation’ prevailed. What was missing in the case of Swiss Jews was an explicit language policy on the part of the Christian authorities. The reason for this lies in the legally enshrined multilingualism of the state and in the non-stigmatization of speaking in dialect in German-speaking Switzerland.