Deutsch als Tätersprache – Konfrontation und dichterische Konsequenzen
摘要
Für jüdische Autor:innen ergibt sich ab 1933 mit Blick auf die deutsche Sprache eine spezifische sprachkritische Wendung: die Problematik, eine Sprache weiter zu verwenden, die als Sprache der Täter des Völkermordes, als Mittel für Organisation und Propaganda des NS-Staates und seines Vernichtungsprogramms diente. Die Kritik an der Tätersprache thematisiert existenzielles Bedrohtsein ebenso wie einen moralischen Sprachidealismus, der auch jüdisches intellektuelles bzw. dichterisches Selbstverständnis geprägt hat. Sie wird dabei entweder zum Medium der Selbstbehauptung oder radikaler Infragestellung sowie nach 1945 zum Auftrag, der deutschen Sprache die historische Erfahrung einzuschreiben. – As of 1933, a specific turn of language criticism comes about for Jewish writers when referring to the German language: The problem of continuing to implement a language that served those who committed genocide and was a means of organization and propaganda for the Nazi regime. The criticism levelled at the language of Nazi terror emphasizes both the experience of existential threat and a moral idealism linked to language that greatly impacted Jewish intellectual and poetical self-images. Language criticism therefore either appears as a mode of self-assertion or of radical self-questioning, and after 1945 as the task of inscribing the historical experience into German literature.