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Historische Musikermedizin

  • Elena Romana Gasenzer,
  • Gunter Kreutz

摘要

Funde von frühen Musikinstrumenten (wie Knochenflöten) sowie früheste medizinische Behandlungsversuche sind anhand von Funden trepanierter Schädel schon vor über 10.000 Jahren nachweisbar (Dastugue, 2000; Goodrich, 2013). Die klassische Antike und die Lehre des Aristoteles schrieben der Musik insbesondere die Wirkung der Katharsis zu, wonach die Musik die Seele reinige und dadurch eine heilende Wirkung entfalte. Mittelalterliche medizinische Vorstellungen, fanden z. B. im „Veitstanz“ ihren musikalischen Ausdruck, der auf die unkontrollierten Bewegungsabläufe bei der autosomal-dominant vererbbaren Chorea-Huntington-Krankheit anspielt (Hecker, 1932). Eine Tanzform des Mittelalters ist die aus Süditalien stammende Tarantella, ein Volkstanz im schnellen 6/8-Takt. „Tarantella“ leitet sich ab von „Tarantula“ (Lycosa tarentula), einer im Mittelmeerraum lebenden Spinne, deren Biss im Mittelalter als Auslöser für den Tarantismus, der „Tanzkrankheit“, galt. Diese Erkrankung war durch rauschhaftes Tanzen gekennzeichnet (Hecker, 1932). In der Renaissance gewann neben der Anatomie die Lehre des Pulses zunehmend an Bedeutung. Der Puls rückte damit in den Fokus der Medizin, wurde aber auch zum Bestandteil zahlreicher musiktheoretischer Konzepte. Durch die Aufklärung rückten Philosophen wie René Descartes das Gehirn in den Mittelpunkt des Interesses. Die Wiener Klassik wurde auch zu einer Klassik der Medizin. Während Komponisten wie Joseph Haydn, Antonio Salieri, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert die Epoche musikalisch prägten, entstand mit der medizinischen Fakultät der Wiener Universität eine klinische Forschungseinrichtung im modernen Sinne.