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Grundsätzliches zum ethischen Argumentieren

  • Marie-Luise Raters

摘要

Philosophen sind dem griechischen Wortursprung zufolge Menschen, die ‚Weisheit lieben‘. Dabei ist ‚Weisheit‘ jedoch ausdrücklich kein schwieriges Geheimwissen, das die meisten Menschen nicht verstehen können. Das Gegenteil ist der Fall: Die Fähigkeit zum Philosophieren kann jeder erlernen, der sich darum bemüht. Tatsächlich ist die Philosophie nämlich in der Praxis entstanden. ‚Philosophen‘ oder ‚Sophisten‘ hießen im antiken Athen die Lehrer, die junge Leute auf den Beruf des Politikers vorbereiteten. Insofern mussten Philosophen konkrete Vorstellungen vom gelungenen Leben, vom guten Staatsbürger, vom wohlgeordneten Staat und vom Gerechten haben. Vor allem aber mussten sie Techniken des angemessenen Begründens und Argumentierens unterrichten können. Was hilft es schließlich einem Politiker, wenn er zwar weiß, was richtig ist, wenn er seine Position aber weder vermitteln noch verteidigen kann? Seit der griechischen Antike wird das Philosophieren als Tätigkeit des kritischen Nachdenkens aufgefasst. Der Gegenstand dieser Tätigkeit sind knifflige Fragen und Probleme. Ihr Ziel liegt in begründeten Antworten und Lösungsvorschlägen. Die Tätigkeit des Philosophierens besteht also einerseits im Entwickeln von gut begründeten Antworten und Lösungsvorschlägen und andererseits im kritischen Prüfen der Antworten und Lösungsvorschläge von anderen. Wer philosophieren will, muss deshalb kritisch argumentieren können. Umgekehrt kann philosophieren, wer kritisch argumentieren kann. In diese Auffassung von ‚Philosophie als Technik‘ soll dieses erste Kapitel einführen.