Polytrauma und Mehrfachverletzungen
摘要
Polytrauma ist definiert als Verletzung von zwei oder mehr Organsystemen oder Körperregionen, die zur gleichen Zeit aufgetreten sind und als Folge einer der Verletzungen oder der Verletzungskombination eine akute Lebensgefahr bedingen. Die Inzidenz liegt bei 360/100.000 Kindern. Schädel-Hirn-Traumen und Verletzungen der unteren Extremität sind deutlich häufiger als Thorax-, Bauch- oder Beckenverletzungen. Die obere Extremität ist seltener betroffen. Am Unfallort erfolgt nach einem strukturierten Ablaufplan (ABCDE-Algorithmus) z. B. nach dem PALS-Schema (Pediatric Advanced Life Support) die Erstversorgung. Das Kind soll primär an das Kinderzentrum des regionalen Traumanetzwerks transportiert werden. Nach Erreichen der Notfalleinheit ist die CT-Polytraumaspirale kein Automatismus. Bei der Planung der definitiven Versorgung steht die Sicherung der Vitalfunktionen deutlich vor der Verhinderung der Funktionseinschränkung („treat first what kills first“). Notfalloperationen in dieser Phase erhöhen relevant die Mortalität. Die sekundäre Verschlechterung der Lungenfunktion ist eher die Regel als die Ausnahme. Die häufige konservative Behandlung isolierter parenchymatöser Organverletzungen ist beim Polytrauma ggf. nicht durchzuhalten, wenn die Kreislaufstabilisierung mittels Volumen und Katecholaminen nicht ausreicht. Eine Perforation von Hohlorganen ist bei Verkehrsunfällen durch die Sicherheitsgurte zu befürchten, die Zeichen der Peritonitis sind jedoch im Gesamtkontext des mehrfachverletzten Kindes schwerer zu erfassen. Skelettverletzungen sind bei fast jedem Polytrauma zu diagnostizieren, erfordern aber in der Regel keine Notfallinterventionen. Die Schwere der Schädel-Hirn-Verletzung bestimmt hauptsächlich die Letalität und die Langzeitbehinderungen nach Polytraumen, obwohl im Kindesalter auch nach schwersten Verletzungen überraschende funktionelle Wiederherstellungen beobachtet werden. Langzeitbeschwerden werden in 19–28 % der Fälle beobachtet und sinken über die ersten 10 Jahre nach dem Unfall auf 12 %. Die Hälfte der Funktionsstörungen ist auf das SHT zurückzuführen.