Wenn der Zensor zum Dieb wird: die griechische Kriegsbeute und die Nobilität*
摘要
Im Jahr 173 v. Chr. beraubte der römische Zensor Q. Fulvius Flaccus scheinbar grundlos den Tempel der Iuno Lacinia bei Kroton seiner Dachziegel aus Marmor. Das Baumaterial sollte in Rom den Tempel der Fortuna Equestris schmücken, den Flaccus während seiner Prätur in Spanien votiert hatte. Vor dem Hintergrund der erfolgreichen politischen Vita des Flaccus ist dieses riskante und beispiellose Vorgehen erklärungsbedürftig, denn nach den gängigen Maßstäben politischen Erfolgs in Rom hatte er das Maximum des Möglichen bereits erreicht. Der Beitrag nimmt die Episode zum Anlass, das transgressive Verhalten des Zensors kausal und strukturell an die Ergebnisse der römischen Kriege im griechischen Osten rückzubinden. Diese beuteträchtigen Feldzüge hatten mittelfristig Verwerfungen zur Folge, weil sie die traditionelle soziale Ordnung und Hierarchie der Nobilität kontingenten Dynamiken unterwarfen. An der Episode des Flaccus lassen sich diese Konflikte um Kriegsbeute exemplarisch nachzeichnen.