Städtische Heterarchie: Priester und Magistrate in der mittleren Republik*
摘要
In einer religionsgeschichtlichen Perspektive ist die mittlere Römische Republik durch eine hohe Dynamik in der wechselseitigen Legitimation religiöser und politischer Akteure gekennzeichnet, die sich bis ans Ende der Republik fortsetzte. Der Beitrag will diese Kontinuität in Frage stellen, Veränderungen in scheinbar gleichen Institutionen herausstellen und die Offenheit der Transformationsrichtungen betonen. Religiösen Praktiken kommt gerade im Kontext der Stadtentwicklung und des massiven städtischen Wachstums seit der mittleren Republik eine wichtige Rolle zu. Der Fokus liegt aber nicht auf dem harmonischen Zusammenspiel dieser Faktoren, sondern auf den Brüchen und der Unbestimmtheit des Verhältnisses von Priesterrollen zu magistratischen Karrieren, dem Entstehen einer ‚Heterarchie‘, die zahlreiche Regelkonflikte erzeugte. Der Begriff der ‚Heterarchie‘ ermöglicht, die analytische Unterscheidung von Politik und Religion im Blick auf ihr Konfliktpotenzial möglichst offen zu halten.