Der Krieg und die Moral: Politische Strategien der individuellen Machtstellung in der römischen Oberschicht nach der Niederlage von Cannae 216 v. Chr.*
摘要
Die Zeit nach den großen Niederlagen gegen Hannibal gilt in den meisten Darstellungen zur römischen Geschichte als eine Phase des Zusammenrückens, in deren Verlauf heldenhafte Persönlichkeiten wie Q. Fabius Maximus durch ihre Weitsicht und ihr vorbildliches Verhalten das elementare Überleben des Staates gesichert hätten. Doch bei näherer Analyse der historischen Überlieferung bekommt dieses positive Bild Risse. An die Stelle eines selbstlosen Einsatzes für das Allgemeinwohl tritt ein erstaunliches Maß an unverhohlener Machtgier und an unbedingtem Willen, die schwierige Situation des Gemeinwesens für die dauerhafte Festigung der eigenen Vorrangstellung zu nutzen. Auf Basis dieser Geschehnisse zielt der Aufsatz auf eine Revision der gängigen Sicht auf die römische Politik, die sich an kollektiven Werten und Vorgaben orientiert hätte, und möchte die Dynamik und die Bandbreite politischen Agierens deutlich machen, das eine viel individuellere Prägung besaß, als oftmals angenommen wird.