Kanonisierte Zufriedenheit oder Weckruf zum Wandel? Geschichtsschreibung und politische Debatte im 2. Jahrhundert v. Chr*
摘要
Die literarische Konstruktion von römischer Geschichte durch Historiographie und Historisches Epos stellte im 2. Jahrhundert trotz der großen Zahl bereits existierender vergangenheitsbezogener Medien und Performanzen eine bahnbrechende Neuerung dar, da nun eine neue Qualität von Kohärenz möglich, aber auch erforderlich war. Während Ennius in den Annales eher kanonisierte (Einteilung der römischen Geschichte in Abschnitte, Akzent auf den ‚großen Männern‘ und den mores), nutzte Cato Censorius den Spielraum einer noch nicht festgelegten Gattung für Experimente und Selbstinszenierung. Mit der Durchsetzung des annalistischen Schemas in der Historiographie durch Calpurnius Piso Frugi wurde die Kontingenz im Raum des Geschichtlichen sowohl betont als auch eingehegt. Piso war es auch, der unter dem Eindruck der Verwerfungen seit 133 eine Diagnose wie auch Bewältigungsmuster für die von ihm wahrgenommene Krise der res publica anbot; diese umfasste Moralisierungen ebenso wie die Legitimation von Gewalt.