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Gefäßersatzmaterialien – alloplastisches Material

  • Ralph-Ingo Rückert

摘要

Ein wesentlicher Grund für den bevorzugten Einsatz von alloplastischem Gefäßersatzmaterial bei Protheseninfektion ist seine ubiquitäre und sofortige Verfügbarkeit in allen Dimensionen. Voraussetzung ist jedoch eine antiseptische und, im Besonderen, eine antimikrobielle Modifikation, die entweder bereits vorhanden ist oder mit einfachen Mitteln intraoperativ vorgenommen werden kann. Alloplastisches MaterialAlloplastisches Material erscheint aufgrund seiner geringeren Infektresistenz im Vergleich mit alternativen Gefäßersatzmaterialien ansonsten weniger geeignet für den Gefäßersatz im Rahmen der komplexen Therapie von Gefäßprotheseninfektionen. Unter dem Gefäßersatz soll hier, im engeren Sinne, die in situ Rekonstruktion verstanden werden. Für die Alternative einer extraanatomischen Revaskularisation in somit nicht primär infiziertem Operationsgebiet gilt für alloplastisches Material dennoch eine analoge Indikationsstellung. Die beiden am besten etablierten alloplastischen Gefäßersatzmaterialien sind Polyethylenterephthalat (PET), ein Polyester, oft synonym mit dem früheren Markennamen als Dacron bezeichnet, und Teflon (Polytetraflouroethylen - PTFE), heute meist aufgrund des Herstellungsprozesses als expanded PTFE (ePTFE) in Gebrauch. Klinisch sind Rifampicin-getränkte und Silber-imprägnierte PET (Dacron)-Prothesen relevant. Vorteile oder Nachteile gegenüber Alternativen werden anhand experimenteller und klinischer Daten dargestellt. Die zur Verfügung stehenden Daten, insbesondere bezüglich des Hauptkriteriums der Reinfektionsrate, sind für beide Modifikationen allerdings heterogen und insgesamt von geringer Evidenz. Bei Verwendung von Rifampicin-Prothesen müssen das Erregerspektrum und die Möglichkeit einer Resistenzentwicklung beachtet werden. Während Rifampicin gegen Staphylokokken wirksam ist, bedeuten Infektionen mit hochvirulenten, v.a. gramnegativen, oder multiresistenten Bakterienstämmen, insbesondere MRSA, eine Kontraindikation für diese antimikrobielle Modifikation einer alloplastischen Prothese. Die besten Ergebnisse für Silber-imprägnierte PET (Dacron)-Prothesen hinsichtlich Infektresistenz liegen für eine Kombination von Silber mit Triclosan vor. Um die Evidenz zu erhöhen, erscheinen große, multizentrische, prospektiv geführte Register mit vordefinierten Variablen erforderlich und realistisch, die dann wertvolle und verlässliche Vergleiche und Schlussfolgerungen erlauben. Hinsichtlich der klinischen Praxis unterscheiden sich die Empfehlungen für die verschiedenen Gefäßregionen. Daher werden die supraaortalen und peripheren Gefäße sowie die abdominelle und thorakale/thorakoabdominelle Aorta separat betrachtet. Der Einsatz von alloplastischem Gefäßersatzmaterial zur Behandlung von Gefäßprotheseninfektionen ist für die Aorta, im Unterschied zu allen anderen Gefäßregionen, bis heute essenzieller Bestandteil des therapeutischen Armamentariums. Alternativen für eine effektive Erhöhung der Infektresistenz von alloplastischem Material könnten in der Zukunft durch neue Technologien erreicht werden. Potenziell relevant sind die Nanotechnologie und die Verwendung von Bakteriophagen.