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„Unwillkommene Unterbrechungen“. Vom Umgang mit überfahrenen Wildtieren in der Gegenwartsfotografie

  • Jessica Ullrich

摘要

Nach vorsichtigen Schätzungen sterben weltweit jeden Tag etwa 5,5 Mio. Wirbeltiere im Straßenverkehr. Für überfahrene Tiere hat sich die Bezeichnung ‚Roadkill‘ durchgesetzt. Der Begriff homogenisiert und anonymisiert die getöteten Tiere und negiert deren Individualität. Tote Tiere werden schlicht als unvermeidlicher Kollateralschaden menschlicher motorisierter Mobilität verstanden. Der Text macht den Versuch, den umfangreichen Korpus an zeitgenössischer künstlerischer Roadkillfotografie formal zu ordnen und in einen von den Animal Studies informierten Diskurs einzuordnen. Es werden drei Kategorien von Roadkillfotografie unterschieden: eine eher dokumentarische, eine eher spirituell-inszenatorische und eine dekontextualisierend-ästhetisierende. Die diskutierten Künstler:innen übernehmen angesichts der anonymen, anthropogenen Gewalt Verantwortung. Sie nehmen sich die Zeit, anzuhalten und sich um tierliche Tote zu kümmern und sei es nur, indem sie ihnen kurz Aufmerksamkeit schenken. Durch unterschiedliche Strategien wie Sichtbarmachung, Namensgebung, Aufbahrung der Opfer, Trauerriten oder Offenlegung der ungleichen Kräfteverhältnisse mobilisieren sie Mitgefühl und Empathie oder ein Bewusstsein für die eigene Komplizenschaft beim Blutbad auf der Straße.