Perspektive des Therapeuten
摘要
Besondere, also persönlich als ungewöhnlich oder schwierig erlebte Situationen, sind grundsätzlich Bestandteil jeder menschlichen Begegnung. Vor allem dann, wenn damit bestimmte Erwartungen, Hoffnungen und Rollen verbunden sind, wie es häufig in der Therapie der Fall ist. Daher ist ein professioneller Umgang damit wünschenswert und notwendig. Aufbauend auf die vorausgegangenen Inhalte soll dieses Kapitel beispielhaft besondere Situationen aufzeigen sowie Möglichkeiten, wie diesen vorbeugend oder adäquat begegnet werden kann. Die therapeutischen Berufe Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie haben eine gemeinsame Besonderheit im beruflichen Alltag. Die Patientenbehandlung findet größtenteils in der gegenseitigen Intimdistanz statt. Dies hat direkte Auswirkungen auf das Distanz- und Nähe-verhältnis, mit daraus möglicherweise resultierenden psychischen Belastungen für Therapierende (Schäberle et al. 2018). Am Beispiel der Physiotherapie kann dies durch die tägliche Behandlungsanzahl verdeutlich werden. Ein Physiotherapeut behandelt durchschnittlich 20 Patienten täglich. Größtenteils sind die Patienten durch die haptisch bedingte Nähe in der Intimdistanz des Therapeuten (Schneider 2003). Dieser Situation können sich Physiotherapeuten physisch nicht entziehen. Bei Ergotherapeuten und Logopäden zeigt sich eine ähnliche Situation, trotz unterschiedlicher Behandlungsfrequenzen. Alle drei Berufe verbringen den größten Anteil des therapeutischen Arbeitsalltags in der Intimdistanz. Auch andere Forschungsergebnisse zeigen, dass ein langes Verweilen in der Intimdistanz psychische Belastungen hervorbringen kann (Hoos-Leister und Balk 2008). Dies ist unabhängig davon, ob der Patientenkontakt positiv oder negativ empfunden wird. Therapeutisch Berufstätige, insbesondere Berufsanfänger, bemerken zumeist keine psychische Belastung durch das dauerhafte Verweilen in der Intimdistanz, da die berufliche Tätigkeit motiviert ausgeübt wird. Um trotzdem, und zum therapeutischen Selbstschutz, ein professionelles Verhältnis von Distanz und Nähe entwickeln und erhalten zu können, bedarf es konkreter Handlungskonzepte. Gesundheitsfachpersonal, wie Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden, sind in ihrer täglichen Arbeit vielseitigen Anforderungen und Belastungsfaktoren ausgesetzt. Durch den regelmäßigen und engen Kontakt zu ihren Patienten beispielsweise stehen die Therapeuten oftmals emotional fordernden Situationen gegenüber, werden mit Behinderung, mit psychischen und physischen Schmerzen und den Auswirkungen der Krankheiten ihrer Patienten konfrontiert. Gleichzeitig weisen viele Berufstätige in den Gesundheitsfachberufen aber eine hohe Arbeitszufriedenheit auf, haben Freude an der Arbeit direkt am Menschen und sind engagiert und motiviert, ihre Patienten auf dem Weg der Genesung bestmöglich zu unterstützen. Den vielseitigen beruflichen Anforderungen treten diese Therapeuten mit ausgeprägten Schutzfaktoren und einer hohen psychischen Widerstandsfähigkeit (Resilienz) erfolgreich entgegen. Bei fehlbeanspruchten Therapeuten hingegen sind die beruflichen Anforderungen dauerhaft zu hoch und/oder können nicht (mehr) ausreichend kompensiert werden. Das Resultat: eine verminderte Leistungsfähigkeit, Fehltage, Unzufriedenheit und eine erhöhte Kündigungsbereitschaft. Zufriedenheit – das höchste Streben des Menschen? Vermutlich strebt jeder Mensch nach einem Zustand der Zufriedenheit. Warum aber brauchen wir diese Zufriedenheit und wann ist sie essentiell für uns im Hinblick auf therapeutische Berufe wie die Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie? Um diese Fragen klären zu können, macht es Sinn, sich zunächst mit dem Begriff und der Bedeutung der ZufriedenheitZufriedenheit vertraut zu machen. Zufriedenheit wird von unterschiedlichen Autoren unterschiedlich definiert. Im Wesentlichen einig ist man sich darin, dass Zufriedenheit ein Gefühl ist, das aus der Erfüllung eines Bedürfnisses heraus entsteht. Bedürfnisse können erfüllt werden durch Umstände, Zustände, Handlungen, Produkte, Dienstleistungen, etc. Das Ausmaß der resultierenden Zufriedenheit ist abhängig von der Erwartung, die bezüglich des Ergebnisses dieser BedürfniserfüllungBedürfniserfüllung besteht. Übersteigt das Ergebnis die Erwartung, entsteht Zufriedenheit. Übersteigt die ursprüngliche Erwartung das Ergebnis, entsteht UnzufriedenheitUnzufriedenheit. Die Konsequenz dieser Bewertung ist, dass der Weg, die Erfüllung des Bedürfnisses zu erreichen (sei es ein Umstand/Zustand/Handlung/Produkt/Dienstleistung/…) als akzeptabel (bei Zufriedenheit) oder inakzeptabel (bei Unzufriedenheit) gesehen wird. (Elegba und Adah 2015).