Der erziehungswissenschaftliche Blick auf Rituale zwischen sozialisationstheoretischem turn und bildungstheoretischem re-turn: Ein pädagogisch-anthropologischer Beitrag zur Frage der Verknüpfung von Theorie und Empirie in der Bildungsforschung
摘要
Der Beitrag fragt, mit welchen Begrifflichkeiten Rituale in der Erziehungswissenschaft in den Blick genommen werden. Es wird herausgearbeitet, dass die Untersuchung von Ritualen im Laufe des 20. Jahrhunderts zur Entstehung und Ausdifferenzierung des Begriffes der Sozialisation beigetragen hat, wobei ‚Sozialisation‘ auch zur kritischen Reflexion über klassische Vorstellungen von Bildung diente. Insofern spricht der Beitrag von einem sozialisationstheoretischen turn in der Erziehungswissenschaft. Darüber hinaus wird gezeigt, dass ab Beginn des 21. Jahrhunderts ein bildungstheoretischer re-turn zu verzeichnen ist, der die sozialisationstheoretischen Überlegungen aufnimmt und den Bildungsbegriff dementsprechend neu fasst und dabei teilweise auch explizite erziehungstheoretische Überlegungen einbringt. Der Beitrag argumentiert aus einer pädagogisch-anthropologischen Sichtweise, indem die in Ritualen und erziehungswissenschaftlichen Theorien implizierten Menschenbilder untersucht werden. Insgesamt zeigt sich, dass aus der erziehungswissenschaftlichen Ritualforschung ein Erkenntnisangebot im Rahmen der Frage nach der Verknüpfung von Theorie und Empirie der Bildung erwächst, hinter dem auch andere Formen der Bildungsforschung nicht zurückbleiben sollten.