Systemische Diagnostik – eine integrative Perspektive
摘要
Traditionell nimmt die Systemische Therapie eine kritische Position zu Diagnosen und diagnostischen Einschätzungen ein. Das Menschenbild der klassischen Testdiagnostik und der klinischen Diagnostik wird als linear, statisch und individuumszentriert kritisiert (Martin, 2020). Die beziehungsgestaltende Wirkung diagnostischer Einschätzungen wird reflektiert; Diagnostik soll eine Familie nicht zu einem Objekt machen, das von einem Experten beurteilt wird, der über eine einseitige Definitionsmacht verfügt. Anstatt Merkmale von Personen oder Familiensystemen festzuschreiben, sollten Zuschreibungen verflüssigt und dekonstruiert werden (v. Schlippe & Schweitzer, 2012). Bei der Auswahl, Durchführung und Auswertung diagnostischer Verfahren wird darauf hingewirkt, dass die Kompetenzen der Familie im Sinne eines Empowerments gestärkt werden. Systemische Diagnostik kann als eine Konsultation verstanden werden; der Therapeut handelt im Auftrag der Klienten, stellt seine Expertise zur Verfügung und entwickelt mit diesen zusammen eine geteilte Einschätzung der Problemsituation, der verfügbaren Ressourcen und der Lösungswege.