Krankenversicherungssysteme GKV und PKV
摘要
Die wichtigste Funktion von Krankenversicherungen liegt im Schutz gegen finanzielle Überforderung bei Krankheit. Zur Gewährleistung eines bezahlbaren Krankenversicherungsschutzes muss der Risikopool auch den Teil der Bevölkerung mit geringen Ausgabenrisiken erfassen. Eine Versicherungspflicht schützt daher nicht nur einzelne Personen, sondern die Gesellschaft insgesamt. Die Finanzierung der GKV basiert auf einkommensabhängigen Beiträgen. Der Anstieg der Beitragssätze ist neben steigenden Leistungsausgaben vor allem auf die strukturelle Einnahmenschwäche in der GKV zurückzuführen. Die Prämien in der PKV basieren dagegen auf dem Äquivalenzprinzip. Die resultierenden Wechselanreize an der Schnittstelle zwischen GKV und PKV führen zu einer adversen Selektion zulasten der GKV. Dadurch wird die Finanzierungsbasis der GKV merklich geschwächt. Die unterschiedlichen Vergütungssysteme in der GKV und der PKV führen außerdem zu Fehlanreizen in der ambulanten ärztlichen Versorgung. Der Gesetzgeber hat in den vergangenen Legislaturperioden den Anstieg der Beitragssätze vor allem durch ein Abschmelzen der finanziellen Reserven und durch zusätzliche Steuermittel begrenzt. Durch die Wiedereinführung der Schuldenbremse, steigende Zinssätze und sich verändernde gesellschaftliche Prioritäten ist es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit zusätzliche Mittel für einen steuerfinanzierten Bundeszuschuss zur Verfügung stehen. Für eine strukturelle Reform der Beitragsfinanzierung findet sich zudem seit rund 20 Jahren keine politische Mehrheit. Es scheint daher absehbar, dass zukünftig auch wieder eine gesellschaftliche Debatte über Leistungskürzungen für Versicherte entsteht.