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Oppositionelle, aggressive und dissoziale Verhaltensstörungen in Kindheit und Jugend

  • Anja Görtz-Dorten,
  • Manfred Döpfner,
  • Tobias Banaschewski

摘要

In den Diagnosesystemen wird der Terminus der Störung des Sozialverhaltens benutzt, um eine heterogene Gruppe von Verhaltensstörungen zu bezeichnen, die durch oppositionelle, aggressive oder dissoziale Störungen des Sozialverhaltens gekennzeichnet ist. Dabei handelt es sich um ein sich wiederholendes Verhaltensmuster, das die Verletzung wichtiger altersrelevanter Normen und Regeln sowie grundlegender Rechte anderer umfasst und das typischerweise in der Kindheit oder im frühen Jugendalter beginnt. Legt man die akzeptierten diagnostischen Standards zugrunde, dann liegen die Prävalenzraten für Störungen des Sozialverhaltens bei 2–10 % und für Störungen mit oppositionellem Trotzverhalten bei 1–11 %. Störungen des Sozialverhaltens treten häufig in Kombination mit weiteren psychischen Störungen auf. Insgesamt wird unter dieser Diagnose eine ausgesprochen heterogene Gruppe sowohl hinsichtlich der Phänomenologie als auch hinsichtlich der Risikofaktoren zusammengefasst, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung beitragen. Eine umfassende Therapie setzt eine differenzierte Diagnostik voraus, die nicht nur die Symptomatik einschließlich komorbider Störungen detailliert erhebt, sondern auch die störungsauslösenden und -aufrechterhaltenden Bedingungen. Dabei können strukturierte Interviews und empirisch geprüfte Fragebogenverfahren hilfreich sein. In der leitlinienorientierten Therapie haben sich eltern- und familienzentrierte und kindergarten- und schulzentrierte Interventionen sowie patientenzentrierte Verfahren auf verhaltenstherapeutischer Basis einschließlich multimodaler Methoden, wie multisystemische Therapie oder multimodale Familientherapie, als wirkungsvoll erweisen. Die Therapie sollte auf die spezifische Symptomatik und die individuellen störungsaufrechterhaltenden Bedingungen angepasst werden. Eine Pharmakotherapie soll nicht routinemäßig zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Störung des Sozialverhaltens durchgeführt werden. Die Schwere der Symptomatik und die Einschränkung des Funktionsniveaus des Patienten sollen bei der Indikationsstellung mitberücksichtigt werden. Eine alleinige Pharmakotherapie ohne begleitende Psychoedukation und psychosoziale oder psychotherapeutische Maßnahmen ist nicht indiziert.