Dissoziative Störungen und Konversionsstörungen im Kindes- und Jugendalter
摘要
Plötzlich auftretende Bewegungsstörungen im Sinne einer vollständigen oder partiellen Lähmung der Arme oder Beine oder Krampfanfälle, die in der Symptomatik eine neurologische Genese im Sinne einer Epilepsieerkrankung nahelegen, sind charakteristische Phänomene der dissoziativen Störungen vom Konversionstypus. Bei den dissoziativen Störungen vom Bewusstseinstypus sind hingegen den Patienten ängstigende Wahrnehmungsstörungen im Sinne von Entfremdungserleben im Hinblick auf die eigene Person sowie auch z. B. der Verlust der Erinnerung an biografisch wichtige Ereignisse charakteristisch. Auch wenn überschneidende Aspekte in der Phänomenologie und Pathogenese zwischen beiden Subtypen der dissoziativen Störungen charakteristisch sind, stehen beim Bewusstseinstypus Störungen des Gedächtnisses und der Wahrnehmung im Vordergrund, wohingegen bei den Konversionsstörungen Störungen der Selbststeuerung im Vordergrund stehen, die sich z. B. in Form eines Kontrollverlusts über Körperbewegungen zeigen können. Häufig zeigt sich auch ein Mischbild von dissoziativen Bewusstseinssymptomen (Amnesien, Depersonalisationserleben) in Kombination mit dissoziativen Phänomenen vom Konversionstypus (z. B. Bewegungsstörungen und Sensibilitätsstörungen). Die Komplexität der klinischen Phänomenologie und ihrer altersspezifischen Variationen erschweren jedoch eine exakte Definition und nosologische Zuordnung. In der ICD-10-Klassifikation werden im Gegensatz zum DSM-5 die dissoziativen Bewusstseinsstörungen und die dissoziativen Störungen vom körpersymptomatischen Typus (Konversionsstörungen) zusammengefasst. Bei den Bewusstseinsstörungen stellen sich die bedeutsamsten Differenzialdiagnosen gegenüber den schizophrenen und Borderline-Persönlichkeitsstörungen, bei den Konversionsstörungen sind differenzialdiagnostisch eine Vielzahl von körperlichen und insbesondere neurologischen Erkrankungen auszuschließen. Die Ätiologie- und Pathogenesemodelle sind multimodal und basieren wesentlich auf Konzepten der neueren Traumaforschung, auf Stressverarbeitungsmodellen und deren neurobiologischen Mechanismen. Neben der Assoziation mit einem repetitiven selbstverletzenden Verhalten stellen dissoziative Symptome im Rahmen der Borderline-Persönlichkeitsstörung einen besonderen Stellenwert dar. Darüber hinaus bildet die dissoziative Symptomatik eine Kernsymptomatik im Rahmen der akuten Belastungsreaktion und der posttraumatischen Belastungsstörung. Kontrollierte Therapiestudien bei Kindern und Jugendlichen stehen bisher noch aus. Aufgrund fehlender epidemiologischer Studien in der Allgemeinbevölkerung liegen keine verlässlichen Prävalenzahlen zum Auftreten dissoziativer Störungen und der Konversionsstörungen vor.