Missionswissenschaft und Hegemoniale Strukturen: Von den Anfängen bis zur Weimarer Republik
摘要
Dieser Beitrag befasst sich mit den Aushandlungsprozessen, die zur Etablierung des Faches Missionswissenschaft an evangelischen Fakultäten und damit zur Aufnahme in den theologischen Fächerkanon führten. Der Fokus der Darstellung liegt auf den Anfängen und auf der Zwischenkriegszeit, in der die Einrichtung missionswissenschaftlicher Professuren voranschritt. Die Beziehungsgeflechte und Navigationsprozesse werden insbesondere im Blick auf hegemoniale Strukturen analysiert. In diesen Prozessen bildeten sich zum einen interne Machtstrukturen – nur ein begrenzter Kreis, und nicht alle Professoren, waren in entscheidenden Gremien repräsentiert –, zum anderen wurden, bedingt auch durch die latente Marginalität des um Akzeptanz ringendes Faches, Argumente entwickelt, die mit den jeweils vorherrschenden politischen Weltsichten korrelierten. Mit den Rekursen auf die Kenntnis anderer Kulturen und Religionen und auf die Zusammenarbeit mit Christ:innen außerhalb Europas wurden diese tendenziell vereinnahmt und in hegemonialen Konstrukten verortet. Auch missionstheologische Konzeptionen wurden von diesen Prozessen beeinflusst, wenngleich es auch gegenläufige Tendenzen gab.