Wenn Forschende die Feld-Sprache nicht sprechen
摘要
Qualitative Forschungsansätze gehören zum Methodenkanon vieler Disziplinen. Auch in der Wirtschaftsgeographie werden Expert*inneninterviews eingesetzt, um einen spezifischen Sachverhalt auf Grundlage der Meinungen und Erfahrungen von Akteur*innen zu erforschen. Dabei stehen in den meisten Fällen nicht die Expert*innen und ihr sozialer Kontext, sondern deren exklusives Wissen über den Sachverhalt im Zentrum des Interesses – es wird damit in objektivistischer Denkart bezweckt, eine Beschreibung des Sachverhalts zu erhalten, „wie er wirklich ist“ (Hitchings und Latham 2020, S. 395, Übers. d. Aut.). Konsequenterweise ist die sachverhaltsanalytische und weniger die interpretative Auswertung von Expert*inneninterviews verbreitet. Dieser Beitrag verdeutlicht, dass die Reduktion auf sachverhaltsanalytische Verfahren, insbesondere im Kontext fehlender (Fremd-)Sprachenkenntnisse auf Seiten der Forschenden, durchaus Probleme beim Fremdverstehen birgt. Als methodische Lösung wird die Artikulationsanalyse vorgestellt, die anhand eines wirtschaftsgeographischen Forschungsprojektes in China entwickelt wurde. Diese fördert das Fremdverstehen von Expert*innen in fremdsprachigen Kontexten und eröffnet somit neue Perspektiven auf sachverhaltsbezogene Daten.