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Kernenergie – all things considered? Zu den Akzeptabilitätsdimensionen ihrer zivilen Nutzung

  • Christian Loos

摘要

Für eine philosophisch-ethische Bewertung stellen Energieversorgungssysteme aufgrund der Komplexität ihrer gegebenen (sowie möglichen) Energieoptionen und der unterschiedlichen Handlungsfelder eine besondere Herausforderung dar: Zum einen müssen die mit den einzelnen Handlungsfeldern zusammenhängenden Kontroversen und Debatten etwa im Hinblick auf divergierende Risikoeinschätzungen sowie Ungewissheiten, Probabilitäten und damit zusammenhängendes explizites Nicht-Wissen berücksichtigt werden. Zum anderen muss ausgehend von dezidierten Handlungsfeldanalysen das komplexe Beziehungsgefüge in energiesystemischer Hinsicht identifiziert und überschaut werden. Dies ist nur dann möglich, wenn eine entsprechend verfahrende philosophisch-ethische Bewertung auf profunde einzelwissenschaftliche sowie interdisziplinäre Wissensbestände zurückgreifen kann und zurückgreift. Das Handlungsfeld der Primärenergieträgergewinnung wird sowohl in der öffentlichen Berichterstattung und Diskussion zu den verschiedenen Energieoptionen als auch in fachwissenschaftlichen Debatten häufig unzureichend behandelt oder sogar völlig außer Acht gelassen. Eine philosophisch-ethische Bewertung darf aber nicht erst am Kernkraftwerk, Windpark, Solarpark oder Kohlekraftwerk etc., sprich im Handlungsfeld der Energieerzeugungsanlagen, beginnen. Beispielsweise lassen sich bei der Energieoption der Kernenergie in der Regel nur Probabilitäten hinsichtlich der Reaktorentwicklung und Konditionierungstechnologien ausmachen. Risiken werden nahezu ausschließlich in Gestalt möglicher Unfälle im Handlungsfeld der Energieerzeugungsanlage und zur Endlagerthematik im Handlungsfeld der Entsorgung diskutiert. Festzustellen ist eine vereinfachende Bewertungspraxis, von der sich auch die fachwissenschaftliche philosophische Ethik nicht freisprechen kann. Klammert man die spezifischen Gewinnungsarten von Primärenergieträgern in einer ethischen Bewertung von Energieversorgungssystemen aus, unterschlägt man damit eine Auseinandersetzung mit den über sie geführten und zu führenden Diskursen. Ziel dieses Beitrags ist es daher, die Komplexität des Handlungsfeldes der Primärenergieträgergewinnung im Sinne einer philosophisch-ethischen Entfaltung der Akzeptabilitätsdimensionen der Energieoption der Kernenergie darzustellen. Dabei sollen reduktionistische Verfahrensweisen ethischer Bewertungen als defizitär ausgewiesen und systematische Grundlagen für eine adäquate Konzeption von spezifizierten Akzeptabilitätskriterien mittlerer Reichweite entwickelt werden.