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Popularisierung Mendels ab 1900

  • Michael Mielewczik,
  • Michal V. Simunek,
  • Uwe Hoßfeld

摘要

Bereits vor dem Jahr 1900 hatten Carl Correns, Hugo de Vries und Erich Tschermak eigene Kreuzungsexperimente begonnen, welche mehr oder weniger unabhängig voneinander zur experimentellen „WiederentdeckungWiederentdeckung“ der Mendelschen Regeln führten. Die klassische Darstellung der parallelen und unabhängigen „WiederentdeckungWiederentdeckung“ gehört zu den Gründungsmythen der modernen Biologie, deren zeitlicher Ablauf durchaus im Widerspruch zu vorhandenem Archivmaterial steht. Neuere Untersuchungen haben beispielsweise gezeigt, dass auch Armin Tschermak, der Bruder Erich Tschermaks, an der „WiederentdeckungWiederentdeckung“ und der Popularisierung Mendels und der Mendelschen Regeln einen entscheidenden Anteil hatte. Über viele Jahre stand Armin Tschermak seinem Bruder beratend zur Seite und auch bei dessen ersten wissenschaftlichen Arbeiten zu den Mendelschen Regeln wirkte er kommentierend mit. Eine Neuauswertung der historischen Zeitungspublikationen der Frühphase des Mendelismus belegt dabei die sich rasch entwickelnde Dynamik, mit der die Popularisierung Mendels nach der „Wiederentdeckung“ in der Frühphase der Genetik und des Mendelismus voranschritt. Eine wichtige Rolle spielte hierbei vor allem die Schule der beiden Botaniker Julius Wiesner und Hans Molisch. Aus ihr gingen nicht nur die ersten popularisierenden Zeitungsartikel und Vorträge, sondern etwas später auch die ersten beiden umfassenden biographischen Schriften zu Gregor Mendel hervor. Die gleichzeitige internationale Popularisierung Mendels und der Genetik, u.  a. durch William Bateson, führte letztendlich sehr rasch dazu, die Person Mendel und die von ihm gefundenen Mendelschen Regeln auch in England und Amerika bekannt zu machen. Die mythologisierte Darstellung der „Wiederentdeckung“ hat für Carl Correns und Hugo de Vries in ihrer eigenen Selbstwahrnehmung aber immer nur einen interessanten, beiläufigen Nebenaspekt dargestellt. Ganz anders lag der Sachverhalt beim deutlich jüngeren Erich Tschermak, für den sich die „Wiederentdeckung“ zum Kern und Herzstück seiner eigenen Biographie manifestierte und auf die er im Laufe seines Lebens in eigenen Schriften immer wieder gerne zurückgekommen ist. Basierend auf diesem Selbstverständnis und seiner eigenen Bekanntheit gelang es ihm immer wieder Finanzierungen von Forschungsvorhaben im Rahmen der Pflanzenzüchtung zu akquirieren, wobei er insbesondere bei der Etablierung neuer Versuchsanstalten seinen wohl nachhaltigsten Einfluss ausübte.