Die Mendel-Rezeption im historischen Kontext des 19. Jahrhunderts
摘要
Folgt man der traditionellen Auffassung zur Bedeutung von Mendels Pflanzen-Experimenten, so wurden seine Arbeiten zunächst verkannt, ignoriert und sie gerieten für Jahrzehnte in Vergessenheit, bevor sie im Jahr 1900 von Carl CorrensCorrens, Carl Erich Franz Joseph (1864–1933) 1864–1933, Hugo de VriesVries, Hugo Marie de (1848–1935) 1848–1935, Erich von Tschermak-Seysenegg 1871–1962 bzw. William BatesonBateson, William (1861–1926) 1861–1926 „wiederentdeckt“ und erstmals erneut abgedruckt wurden. Dies ist zumindest das, was von denjenigen, die Mendel „wiederentdeckten“ und seine Arbeiten nachdruckten, übersetzten und popularisierten, angenommen wurde. Tatsächlich sind Gregor Mendels Versuche an Pflanzenhybriden im 19. Jahrhundert deutlich weiter bekannt gewesen und auch vielfältiger rezipiert worden, als dies lange angenommen wurde. So wurde beispielsweise übersehen, dass es bereits 1867 einen ersten, wenn auch stark gekürzten, Nachdruck von Gregor Mendels "Versuchen zu Pflanzen-Hybriden" gegeben hat. In diesem frühen Nachdruck waren vom Redakteur jedoch nahezu alle mathematischen Inhalte von Mendels Arbeit entfernt worden. Insgesamt war die Rezeption von Mendels naturwissenschaftlicher Arbeit im 19. Jahrhundert deutlich umfassender, als man dies früher angenommen hat. Neu aufgefundene Zitierungen aus dem 19. Jahrhundert belegen dabei, dass Mendels Arbeiten in der Tat schon damals im Kontext des Darwinismus und des Materialismus diskutiert worden sind. Einige Botaniker sind den Ergebnissen von Mendels Kreuzungsversuchen mit aber offenem Misstrauen begegnet. Alles in allem waren Mendels Arbeiten im 19. Jahrhundert keineswegs unbekannt.