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Historische Einführung und Editionsgeschichte

  • Michael Mielewczik,
  • Michal M. V. Simunek,
  • Janine Moll-Mielewczik,
  • Uwe Hoßfeld

摘要

Gregor Johann Mendels Artikel „Versuche über Pflanzen-Hybriden“ gehört zu den wichtigsten Schriften in der Geschichte der Naturwissenschaften und Biologie im Besonderen. Obwohl Mendel die Resultate seiner Arbeit schon 1865 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt hat, wurde die Bedeutung seiner Versuche erst mit einer zeitlichen Verzögerung ab dem Jahr 1900 erkannt. Gregor Mendel wurde in der Folge als der geistige Vater und Begründer des neuen Wissenschaftszweiges Genetik etabliert und seine wichtigste Publikation ist seitdem wiederholt neu abgedruckt, kritisch kommentiert und auch in verschiedene Sprachen übersetzt worden. Durch den rasanten Fortschritt der Genetik einerseits sowie die grossen politischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts andererseits ist die Editionsgeschichte dieser verschiedenen Ausgaben von Mendels Artikel durchaus kompliziert worden, so dass sie einer zeithistorischen Kontextualisierung bedarf. In der populären Wahrnehmung etablierte sich parallel dazu das Bild des Mönchs Gregor Mendel als einem einsam vor sich hin forschenden Wissenschaftler, der im Klostergarten geduldig und ausdauernd seine Kreuzungsexperimente an Erbsen durchführte. Mit der historischen Persönlichkeit Mendels hat diese populäre Sicht jedoch wenig gemeinsam. Als Mönch, Naturforscher, Lehrer und Abt war Gregor Mendel vielmehr aktiv in die Gesellschaft seiner Zeit eingebunden, wobei er über Jahrzehnte ein sehr weitverzweigtes persönliches und berufliches Netzwerk aufgebaut hat. Insbesondere durch seine Mitgliedschaften im Naturforschenden Verein in Brünn sowie der k. k. mähr.-schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde ist Mendel nachhaltig geprägt worden. Neu aufgefundene Textbelege zeigen dabei auf, dass Mendels Kreuzungsexperimente, zumindest indirekt, aus einem staatlich geförderten Gemeinschaftsprojekt des k. k. Handelsministeriums, der Brünner Handelskammer und der genannten Ackerbaugesellschaft hervorgegangen sind, wobei die von Mendel verwendeten 22 Erbsensorten bereits 1855 auf der Weltausstellung in Paris präsentiert worden sind. Für Gregor Mendel selbst stellten, neben offenen Fragen zur Vererbung und Hybridisierung, Akklimatisierungsbestrebung der 1850er und 1860er eine wichtige Antriebsfeder für seine Experimente dar.