Louisiana ist in seiner physisch-räumlichen Struktur stark von dem wechselseitigen Einfluss von Wasser und Land geprägt, insbesondere durch den Mississippi und den Küstenraum zum Golf von Mexiko. Weite Teile des Staatsgebietes wurden durch Mississippisedimente gebildet, der Küstenraum wird in wesentlichen Teilen durch Sümpfe geprägt, die als eine ‚Hybridlandschaft‘ (Kühne 2019) verstanden werden können. Die Entstehung von Öl und Gas vollzog sich in einem Übergangsraum von Land zu Meer, und auch wirtschaftliche Aktivitäten – eigens der petrochemischen Industrie – sind entlang des Mississippis konzentriert. Ebenso befinden sich die beiden dominanten Siedlungen Louisianas, New Orleans (kulturell und ökonomisch) und Baton Rouge (politisch), an dessen Ufern. Auch die Vulnerabilität Louisianas, verstärkt durch den anthropogenen Klimawandel, wird besonders im Kontext sich wandelnder Verhältnisse von Wasser und Land deutlich (Colten 2014, 2018, 2021; Jenal et al. 2021): insbesondere in Form des Anstiegs des Meeresspiegels, des Impacts von Wirbelstürmen (infolge der Erwärmung des Wassers des Golfs von Mexiko und stärkeren Niederschlägen), vor dem Hintergrund eines in weiten Teilen flachen Reliefs und einer – insbesondere im Süden des Staates – geringen Lage über dem Meeresspiegel oder gar darunter (bspw. in Teilen von New Orleans). Mit der Auswahl des Untersuchungsraumes und den thematischen Schwerpunkten unserer Untersuchung folgen wir dem Diktum von Karl Popper (1992), der die zentrale Aufgabe der Soziologie (in unserem Verständnis insgesamt der Sozialwissenschaften, denen wir die Humangeographie zurechnen) darin sieht, unintendierte Folgen menschlichen Handelns zu untersuchen. Dies wiederum führt zu einer Verschiebung des Forschungsinteresses von Strukturen (die ‚traditionelle‘ regionale Geographie war stark auf materielle Strukturen, wie Haus- und Flurformen ausgerichtet) hin zu Prozessen, wobei Strukturen ihre Bedeutung als Manifestationen von Prozessen erhalten (vgl. etwa Duttmann et al. 2020; Ellmers 2020; Kühne et al. 2020; Schenk und Steinkrüger 2020; Abb. 1.1).

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Einleitung

  • Olaf Kühne,
  • Lara Koegst

摘要

Louisiana ist in seiner physisch-räumlichen Struktur stark von dem wechselseitigen Einfluss von Wasser und Land geprägt, insbesondere durch den Mississippi und den Küstenraum zum Golf von Mexiko. Weite Teile des Staatsgebietes wurden durch Mississippisedimente gebildet, der Küstenraum wird in wesentlichen Teilen durch Sümpfe geprägt, die als eine ‚Hybridlandschaft‘ (Kühne 2019) verstanden werden können. Die Entstehung von Öl und Gas vollzog sich in einem Übergangsraum von Land zu Meer, und auch wirtschaftliche Aktivitäten – eigens der petrochemischen Industrie – sind entlang des Mississippis konzentriert. Ebenso befinden sich die beiden dominanten Siedlungen Louisianas, New Orleans (kulturell und ökonomisch) und Baton Rouge (politisch), an dessen Ufern. Auch die Vulnerabilität Louisianas, verstärkt durch den anthropogenen Klimawandel, wird besonders im Kontext sich wandelnder Verhältnisse von Wasser und Land deutlich (Colten 2014, 2018, 2021; Jenal et al. 2021): insbesondere in Form des Anstiegs des Meeresspiegels, des Impacts von Wirbelstürmen (infolge der Erwärmung des Wassers des Golfs von Mexiko und stärkeren Niederschlägen), vor dem Hintergrund eines in weiten Teilen flachen Reliefs und einer – insbesondere im Süden des Staates – geringen Lage über dem Meeresspiegel oder gar darunter (bspw. in Teilen von New Orleans). Mit der Auswahl des Untersuchungsraumes und den thematischen Schwerpunkten unserer Untersuchung folgen wir dem Diktum von Karl Popper (1992), der die zentrale Aufgabe der Soziologie (in unserem Verständnis insgesamt der Sozialwissenschaften, denen wir die Humangeographie zurechnen) darin sieht, unintendierte Folgen menschlichen Handelns zu untersuchen. Dies wiederum führt zu einer Verschiebung des Forschungsinteresses von Strukturen (die ‚traditionelle‘ regionale Geographie war stark auf materielle Strukturen, wie Haus- und Flurformen ausgerichtet) hin zu Prozessen, wobei Strukturen ihre Bedeutung als Manifestationen von Prozessen erhalten (vgl. etwa Duttmann et al. 2020; Ellmers 2020; Kühne et al. 2020; Schenk und Steinkrüger 2020; Abb. 1.1).