In diesem Kapitel zoomen wir zunächst aus dem unmittelbaren Geschehen heraus und fragen uns, was eigentlich Propaganda ist und inwiefern sie im untersuchten Zeitraum Neuerungen erfahren hat. Methoden, welche die Wahrheit verzerren, neu erfinden oder negieren, werden in der Folge unter dem Begriff der „Postpropaganda“ gefasst. Diese nutzt häufig bestehende soziale und politische Spaltungen und fördert gezielt Misstrauen und Vorurteile, um ihre Ziele zu verfolgen. Die Manipulationsmöglichkeiten durch die sozialen Netzwerke zeigten sich mit besonderer Prägnanz im US-Präsidentschaftswahlkampf von 2016, der durch die Nutzung von Millionen psychologischer Wählerprofile zu Trumps Gunsten manipuliert wurde. Als Trump 2020 seine Wiederwahl verlor, erkannte er als erster US-Präsident der Geschichte die Wahl nicht an. Er rief seine Anhänger zum Sturm auf den Kongress auf. Dies führte zu äußerst gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen viele Demonstranten und Polizisten verletzt wurden – und auch die Demokratie Schaden nahm. Aber es gab zu Ende des Jahrzehnts auch kraftvolle Protestbewegungen gegen die Vorherrschaft des alten weißen Mannes, wie ihn Trump zu verkörpert schien. Auf den sozialen Netzwerken wurde etwa unter dem Hashtag #MeToo sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch thematisiert. Und unter dem Motto "Black Lives Matter" wurde ein Ende der Polizeibrutalität gegen farbige Menschen gefordert. In vielen Städten wurde die Legitimität der Proteste anerkannt, und einige Polizeibehörden entschuldigten sich für ihr Verhalten.

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Die Vorherrschaft des alten weißen Mannes

  • Valentin Halder

摘要

In diesem Kapitel zoomen wir zunächst aus dem unmittelbaren Geschehen heraus und fragen uns, was eigentlich Propaganda ist und inwiefern sie im untersuchten Zeitraum Neuerungen erfahren hat. Methoden, welche die Wahrheit verzerren, neu erfinden oder negieren, werden in der Folge unter dem Begriff der „Postpropaganda“ gefasst. Diese nutzt häufig bestehende soziale und politische Spaltungen und fördert gezielt Misstrauen und Vorurteile, um ihre Ziele zu verfolgen. Die Manipulationsmöglichkeiten durch die sozialen Netzwerke zeigten sich mit besonderer Prägnanz im US-Präsidentschaftswahlkampf von 2016, der durch die Nutzung von Millionen psychologischer Wählerprofile zu Trumps Gunsten manipuliert wurde. Als Trump 2020 seine Wiederwahl verlor, erkannte er als erster US-Präsident der Geschichte die Wahl nicht an. Er rief seine Anhänger zum Sturm auf den Kongress auf. Dies führte zu äußerst gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen viele Demonstranten und Polizisten verletzt wurden – und auch die Demokratie Schaden nahm. Aber es gab zu Ende des Jahrzehnts auch kraftvolle Protestbewegungen gegen die Vorherrschaft des alten weißen Mannes, wie ihn Trump zu verkörpert schien. Auf den sozialen Netzwerken wurde etwa unter dem Hashtag #MeToo sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch thematisiert. Und unter dem Motto "Black Lives Matter" wurde ein Ende der Polizeibrutalität gegen farbige Menschen gefordert. In vielen Städten wurde die Legitimität der Proteste anerkannt, und einige Polizeibehörden entschuldigten sich für ihr Verhalten.