Natur im Geist
摘要
Die Vorstellung, Natur – sei es als äußere oder auch als innere – sei das, was von sich aus da ist, was unabhängig von menschlichem Tun und Lassen eigenen, vielleicht erkennbaren, aber nicht willkürlich veränderbaren Gesetzmäßigkeiten folgt und in seinem Gesamtzusammenhang eine vorgegebene Ordnung darstellt, die auch das menschlicher Willkür Unterworfene noch umgreift – diese Vorstellung von einer alles tragenden und alles umfassenden Natur scheint in dem Augenblick problematisch zu werden, da gerade die klassische Entgegensetzung von Natur und Geist nicht mehr greift, d. h. vorbeigeht an einer historisch-gesellschaftlichen Entwicklung, durch welche – wenigstens tendenziell – Natur selber in das Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit eingetreten sein könnte. Durchgängig ist Adornos Philosophie von der Problematik geprägt, einerseits an der Idee der Versöhnung von Natur und Geist, Natur und Geschichte festzuhalten, andererseits aber gerade einer Dialektik, die – ihrem eigenen Anspruch nach – das einander Entgegengesetzte in sich schon aufgehoben hat, durchaus zu mißtrauen, sofern diese methodisch postuliert, was sie ontologisch nicht halten kann. Die dialektische Totalität ist für Adorno noch nicht die versöhnte. Das Problem einer Versöhnung von Natur und Geist stellt sich deshalb bei Adorno als der Versuch dar, Dialektik mit ihren eigenen Mitteln der Kritik zu unterziehen, die Totalität, die sie darstellt, zu kritisieren als Zeugnis eines Scheiterns des autonomen Geistes, in dem sich das bloß Partikulare als Ganzes mißversteht. Das „Moment der Versöhnung” ist zunächst in der Selbstkritik des Geistes selber, in dem nicht schon aufgeht, was ihm restlos unterworfen scheint, aufzusuchen.