Abendlanddämmerung: Christdemokratische Volkspartei in immer weniger christlichem Volk?
摘要
Sie ist eine Art „Nessie“ der deutschen Parteienlandschaft, die immer wieder nach längerer Pause wie aus Loch Ness auftauchende Diskussion um das „C“ der CDU, um ihre christliche Identität. Seit sogar Linken-Politiker sich öffentlich vor einer „gottlosen Gesellschaft“ (Gysi 2019) fürchten und der Unionsfraktion im Bundestag Papst-Zitate vorhalten, Grünen-Politiker auf Katholikentagen gefeiert werden und Rechtspopulisten sich zur „einzigen christlichen Partei“ (Weidel 2017) erklären, die das christliche Abendland gegen „Islamisierung“ verteidige, während in der Union die Christendichte abnimmt und das „C“ in der Diskussion ums neue Grundsatzprogramm 2023/2024 erst strittig, dann im Text reduziert und um eine „bürgerliche“ Zweitidentität ergänzt wurde, scheint das Alleinstellungsmerkmal der CDU/CSU, ihre christlich-sozialethische Politikbegründung, angefochtener denn je zu sein. In vier Schritten soll das vielschichtige aktuelle Thema hier aufbereitet werden: Nach einer kurzen Skizze der Verknüpfung von christlichem Glauben und politischem Wirken wird zunächst die strategische Opportunität einer politischen Berufung auf das Christentum angesichts der fortschreitenden Säkularisierung Deutschlands, dann die sozialethische Aktualität politischer Ausrichtung an christlichen Werten und Normen erörtert und abschließend Kriterien vorgeschlagen, nach welchen der christliche Anspruch einer Partei zu überprüfen ist, inklusive einiger konkreter Hinweise dafür, wie plausibel die Berufung der CDU auf ihr „C“ noch erscheint.