Der Diskurs über Ostdeutschland und das Erbe der DDR ist kompliziert, vielschichtig und dreht sich seit Jahren im Kreis. Ein Zustand, an dem auch die großen Jubiläen der jüngeren Vergangenheit nichts änderten. Oft verkommt er zu einem inneren Überbietungswettbewerb, ganz Ostdeutschland und dessen Bewohner:innen auf einen Begriff zu bringen (vgl. Mau 2024: 7). Berichte die vor allem eins erzeugen: Zerrbilder. Plattenbauten, überwucherte LPG-Wege, verfallene Fabriken, arbeitslose kahlköpfige Männer in Feinripp-Unterhemden mit Bierdose in der Hand. Bilder besiegten und kulturell abgestiegenen Proletariats. Hinzu kommen Beschreibungen wie jene, Ostdeutsche hätten „den inneren Hitler“ (Geipel zit n. Heinemann 2019) nicht überwunden. Sie seien ein notorisch „unzufriedenes Volk“ (Pollack 2020) und ohnehin „entweder Kommunisten oder Faschisten“ (Döpfner zit. n. Gilbert und Stark 2023). Zudem „rückständig und nicht reif für die Demokratie“ (MDR 2023). Negative, klischeehafte Bildikonen vom abgehängten Osten und dazugehörigem Verlierer-Image mit Demokratieverdruss. Denjenigen, die es trotz ihrer Herkunft ‚geschafft haben‘, wird diese abgesprochen. Sie gilt als Malus, als etwas das geleugnet wird. Oder, wie im Falle von Angela Merkel, als „Ballast“ (Merkel 2021).

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Einleitung

  • Tobias Held

摘要

Der Diskurs über Ostdeutschland und das Erbe der DDR ist kompliziert, vielschichtig und dreht sich seit Jahren im Kreis. Ein Zustand, an dem auch die großen Jubiläen der jüngeren Vergangenheit nichts änderten. Oft verkommt er zu einem inneren Überbietungswettbewerb, ganz Ostdeutschland und dessen Bewohner:innen auf einen Begriff zu bringen (vgl. Mau 2024: 7). Berichte die vor allem eins erzeugen: Zerrbilder. Plattenbauten, überwucherte LPG-Wege, verfallene Fabriken, arbeitslose kahlköpfige Männer in Feinripp-Unterhemden mit Bierdose in der Hand. Bilder besiegten und kulturell abgestiegenen Proletariats. Hinzu kommen Beschreibungen wie jene, Ostdeutsche hätten „den inneren Hitler“ (Geipel zit n. Heinemann 2019) nicht überwunden. Sie seien ein notorisch „unzufriedenes Volk“ (Pollack 2020) und ohnehin „entweder Kommunisten oder Faschisten“ (Döpfner zit. n. Gilbert und Stark 2023). Zudem „rückständig und nicht reif für die Demokratie“ (MDR 2023). Negative, klischeehafte Bildikonen vom abgehängten Osten und dazugehörigem Verlierer-Image mit Demokratieverdruss. Denjenigen, die es trotz ihrer Herkunft ‚geschafft haben‘, wird diese abgesprochen. Sie gilt als Malus, als etwas das geleugnet wird. Oder, wie im Falle von Angela Merkel, als „Ballast“ (Merkel 2021).