Islamist:innen als neue revolutionäre Subjekte?
摘要
Genauso wie Israel bzw. die Jüdinnen:Juden als personifizierter Kapitalismus wahrgenommen werden, dient die Kufiya als Symbol für den Widerstand dagegen, wie zuvor nur das ikonische Konterfei von Ché Guevara oder die Proteste gegen den Vietnamkrieg in den 1960er Jahren, in deren Tradition und Nachfolge sich viele der Demonstrierenden an westlichen Universitäten sehen. Sie ist so sehr mit revolutionärem Pathos bzw. Revolutionsromantik aufgeladen, dass Banner mit allgemeinen Forderungen auf der Revolutionären 1. Mai-Demo in Berlin inzwischen im Design des sogenannten Pali-Tuchs gehalten sind. Dies deutet die ideologische Verzahnung von Nahostkonflikt sowie angestrebtem erdumspannenden Umsturz der herrschenden Verhältnisse an. Die Palästinenserflagge ist wohl die einzige Nationalflagge, die auf Demonstrationen der Nationalstaaten grundsätzlich ablehnenden radikalen Linken weht. Die gegen Israel gerichtete Intifada wird zum allgemeinen Fanal für die globale Revolution zum Sturz der kapitalistischen westlichen Weltordnung. Nicht nur einige Trotzkist:innen fordern, dass der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Generalstreik aufrufen und sich einer globalen Intifada anschließen möge, der dann ein sozialistisches Palästina folgt. Andere rufen zu einem von Hunderten von Millionen Proletarier:innen und Unterdrückten zu erkämpfenden Palästina als Teil eines Bündnisses von Arbeiterrepubliken auf, einer „Sozialistischen Föderation des Nahen Ostens“, als Markstein einer globalen klassenlosen Gesellschaft. Der Schlachtruf „There is only one solution, Intifada Revolution“ dient als dazugehöriges ideologisches Bekenntnis. Der Kampf gegen Israel stellt „die vorderste Front einer globalen Befreiungsbewegung“ dar und die „Palästinenser:innen dienen als Projektionsfläche für die eigenen Revolutionsfantasien“ (Suder und Butt 2024, S. 41).