Wohlstandsbasis Industrie
摘要
Die Industrie treibt wie kein anderer Sektor der Ökonomie den gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt an und schafft damit zunehmende Einkommen und Verteilungsspielräume. Im langfristigen Entwicklungsprozess einer Volkswirtschaft geht der Anteil der Industrie an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung jedoch zurück, bei einem gleichzeitigen Bedeutungszuwachs von Dienstleistungsaktivitäten. Dies ist Ausdruck eines sich wandelnden Nachfrageverhaltens der Privathaushalte und Unternehmen bei steigenden Einkommen. Politische Bestrebungen, den Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt (BIP) mittels politischer Interventionen zu erhöhen, oder sogar konkrete Ziele in Form eines numerisch exakten Anteils der Industrie am BIP festzuschreiben, sind schon aus diesem Grund problematisch. Zudem stellt ein relativer Rückgang industrieller Wertschöpfung, gemessen an dessen Anteil am gesamtwirtschaftlichen Produkt, in einer langfristig wachsenden Volkswirtschaft noch kein Problemszenario dar. Ein solches bildet sich aber heraus, wenn das absolute Niveau des Anlagenbestandes im Industriesektor dauerhaft sinkt, weil die Unternehmen ihren Investitionspfad so weit herunterfahren, dass die technologisch und ökonomisch bedingten Abgänge aus dem industriellen Kapitalstock nicht mehr ausgeglichen werden. In dieser Situation einer Deindustrialisierung befinden sich die energieintensiven Industrien Deutschlands bereits seit Jahren. In der Breite des Industriesektors ist eine vergleichbare Entwicklung noch nicht festzustellen, aber die notorische Investitionsschwäche und eine Tendenz zur Relokalisierung von Industriestrukturen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Problemszenario mittelfristig tatsächlich eintritt.