Fontanes „Effi Briest“
摘要
Theodor Fontane (1819–1898) ist der berühmteste Realist der deutschen Literatur im 19. Jahrhundert. Sein erfolgreichstes Werk unter den rund zwei Dutzend Romanen, Reisebeschreibungen und Erzählungen ist Effi Briest (1895). Fontane schreibt dazu in seinem Tagebuch, die Buchausgabe brachte es „in weniger als Jahresfrist zu fünf Auflagen – der erste wirkliche Erfolg, den ich mit einem Romane habe“. – Die Genese des Romans ist inspirierend und lädt zum Mitmachen ein. Zwei Jahre nach dem Beginn der Arbeit an Effi Briest wird Fontane krank und sein Arzt empfiehlt ihm, statt an der „Effi“ an seiner Autobiographie weiterzuschreiben. So entsteht der autobiographische Roman Meine Kinderjahre (1893), in dem Fontane nicht nur Vorbilder und Motive für seinen Roman erarbeitet, zum Beispiel den Spuk oder das Schaukeln, sondern an dem er sich auch wieder im wahrsten Wortsinn gesundgeschrieben hat. Anschließend geht es fast wie von selbst, Fontane schreibt „träumerisch und fast wie mit einem Psychographen“. Nach insgesamt fünf Jahren Arbeit und drei Jahre vor seinem Tod ist Effi Briest fertig. Das Buch stellt somit eine Art Bilanzroman von Fontanes Lebens dar. An ihm kann erkundet werden, auf welche Weise er entstanden ist. Es ist also wegen der guten Dokumentation quasi möglich, der Genese des Werkes während der Genesung des Autors beizuwohnen. So offenbaren einige von Fontanes Briefen, wie der Roman zu lesen ist und wo in der Arbeit am Text Akzente zu setzen sind. Sie zeigen, wo sich die Lernenden mit Aufträgen in den Roman einschreiben sollen, also durch eigene aktive Textproduktion den Gestus der Vorlage nachentdecken.