Kubische Gleichungen mit Tartaglia
摘要
Im 16. Jahrhundert ereigneten sich in Italien zwei Sternstunden der Wissenschaft, die beide mit der kubischen Gleichung zu tun hatten. Dieser Gleichung kam zu jener Zeit eine Schlüsselrolle zu, denn war das Schwesterproblem „Ein Quadrat und mehrere seiner Seiten sind gleich einer Zahl“, die quadratische Gleichung, bereits von den Babyloniern rund 2000 Jahre v. Chr. gelöst und von Al-Chwarizmi um 800 n. Chr. detailliert analysiert worden, so hatte sich die Aufgabe „Ein Kubus und mehrere Quadrate und mehrere seiner Seiten sind gleich einer Zahl“, die kubische Gleichung, sämtlichen allgemeinen Lösungsversuchen erfolgreich widersetzt. Manche hielten sie gar für unbezähmbar. Vor einem solchen Hintergrund war die Nachricht, jemandem sei die Lösung der kubischen Gleichung gelungen, eine Sensation. In den Februartagen des Jahrs 1535 schaffte es Nicolo Tartaglia (1500–1557) in Venedig tatsächlich, das Unmögliche möglich zu machen. Die Wirkung der Kunde von Tartaglias Erfolg und der späteren Publikation der Lösungsformel für die kubische Gleichung war enorm: Erstmals seit langer Zeit war in der Algebra wieder ein großer Durchbruch erzielt worden, was den Forschern neuen Tatendrang und die Zuversicht verlieh, weitere Erkenntnisse erlangen zu können. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Algebra zur selbstständigen mathematischen Disziplin, die ihre Existenzberechtigung nicht mehr alleine aus ihrer Anwendbarkeit in geometrischen Fragestellungen speiste. 1572 führten Gedanken, die an die Lösungsformel anknüpften, zu einer weiteren Sternstunde der Mathematik, nämlich zur Erfindung der imaginären Einheit i, die den Umgang mit einigen Fällen der kubischen Gleichung ermöglichte, welche zuvor noch nicht gelöst werden konnten. Damit wagte sich die Algebra sogar in die Sphären des Unvorstellbaren vor. – Für den Unterricht ist es ein seltener Glücksfall, wenn er in einem Lehrstück gar den Bogen zwischen zwei mathematischen Sternstunden spannen kann.