Die Sinustabelle des Regiomontanus
摘要
Beim Vermessen und Berechnen von Sternen- und Planetenlagen am Himmel, des Sonnenstands oder von Strecken und Winkeln in der Landschaft spielen die trigonometrischen Funktionen – das Wort mit den beiden aus dem Griechischen stammenden Bestandteilen trígonon, „Dreieck“, und métron, „Maß“ verrät, dass es im Kern um das Vermessen von Dreiecken geht – eine fundamentale Rolle. Mit ihrer Hilfe können aus Streckenlängen, Streckenverhältnissen und Winkeln andere Größen in Dreiecken berechnet werden. Eine dieser grundlegenden Winkelfunktionen ist der Sinus, der nach einer gewissen Regel jedem Winkel zwischen 0° und 360° eine Zahl zwischen –1 und +1 zuordnet. Seine Werte möglichst exakt zu kennen ist insofern von großer Bedeutung, als dadurch die Berechnungen an den Dreiecken genauer werden; zudem können aus dem Sinus auch die Werte der anderen trigonometrischen Funktionen, Cosinus und Tangens, abgeleitet werden. Die Mathematikerinnen und Mathematiker waren deshalb schon seit der Antike an der Verfügbarkeit von Sinustabellen interessiert. Eine solche erstellte schon Klaudios Ptolemaios (ca. 100–160), der in seiner Sehnentafel jedem Winkel im Abstand von 0,5° den entsprechenden Sinuswert zuwies. Für viele trigonometrischen Berechnungen ist diese Tabelle jedoch zu wenig genau. Die orientalischen Völker schufen deshalb bis zum 15. Jahrhundert verfeinerte Tabellen. Als Regiomontanus (1436–1476) um 1462 seine eigene Sinustafel vollendete, war er nicht der Erste, der ein solches Werk vorlegte. Sie war jedoch zusammen mit den anderen Tafeln, die in den Folgejahren entstanden, ein Jahrhundertwerk, da Regiomontanus der berühmteste Mathematiker seiner Zeit war und seine Resultate deshalb weite Verbreitung fanden. Zudem erklärt er in der Publikation der Sinustabelle detailliert und beinahe schon schulmeisterlich, mit welchen Überlegungen und Methoden er seine Rechnungen durchführte. Die Leserinnen und Leser werden auf diese Weise in die Geheimnisse trigonometrischer Berechnungen eingeweiht – von einem Meister seines Fachs.