Modern: mittig, sozialistisch, faschistisch
摘要
Auf drei Themenfeldern liefert das zweite Kapitel analytischen Background für den kommenden Hauptteil des Buches. 1. Die moderne Gesellschaft, europäisch entstanden, global durchgesetzt, entwickelt und legitimiert sich als eine Gegenvorstellung zu feudalen Verhältnissen. Sie entwirft ihr Selbstbild und proklamiert ihre Leitideen, ohne ihre Strukturen und ihre Funktionsweise zu kennen. Das ist wichtig zu wissen, weil weder Faschismus noch Sozialismus entstehen und bestehen könnten ohne die Differenzen zwischen der Selbstdarstellung der Moderne und den Alltagserfahrungen der Akteure. 2. Für den politischen Alltag ist die Rechts-Links-Unterscheidung prägend. Deren auffälliges Merkmal, die Beobachterabhängigkeit – wie Rechts und Links von einer Mitte, so hängen Gestern und Morgen von einem Heute, die Eine und der Andere von einem Ich ab –, macht sie zu einem Exempel für modernes Wissen. Ihre binäre Codierung entspricht zudem der typisch modernen Operationsweise, ein Entweder-Oder zugrundezulegen und dabei beide Seiten komplementär als verwendbar anzuerkennen. 3. Genau hier lässt sich das Besondere, sozusagen das Antimoderne, von Faschismus und Sozialismus markieren, nämlich dass sie konträr-binäre Codes als Operationsbasis haben, freilich mit dem folgenschweren Unterschied, dass Weitlinks die Scheidelinie sozial zieht („Klassenkampf“), Weitrechts biologisch („Rassenkampf“). Von hier aus können erste Aussagen über Aufstiegs- und Abstiegsfaktoren für die beiden Außenpositionen getroffen werden.